Mitfühlende Kommunikation


Kommunikation ist die wichtigste Fähigkeit in unserem Leben.
Wie steht es aber mit Zuhören?
Wie steht es mit richtigem Zuhören, so dass man einem Menschen wirklich aus dessen eigenem Bezugsrahmen heraus versteht?

"Ich weiss genau wie du dich fühlst"
"Ich habe genau das gleiche erlebt und durchgemacht"

Sehr häufig wird das eigene Kino im Kopf auf das Verhalten von anderen Menschen projiziert. Sie verschreiben jedem, mit dem sie zu tun haben, ihre eigene Brille, wie es folgende Geschichte verdeutlichen kann:

Nehmen wir mal an, Sie hätten Probleme mit den Augen und suchen deswegen einen Augenarzt auf. Nachdem er sich kurz Ihre Beschwerden angehört hat, nimmt er seine Brille ab und reicht sie Ihnen.
"Setzen sie sie auf" sagt er "Ich habe diese Brille jetzt zehn Jahre getragen, und sie hat mir wirklich geholfen. ich habe Zuhause noch einen Ersatz; Sie können diese haben"
Also setzten Sie sie auf, aber das macht alles nur noch schlimmer.
"Die ist furchtbar" rufen Sie aus. "Ich kann überhaupt nichts sehen"
"Woran fehlts denn?" fragt er "Bei mir funktioniert sie prima. Geben sie sich bisschen mehr Mühe"
"Tue ich ja schon" beharren Sie "Alles ist ganz verschwommen"
"Was ist eigentlich mit ihnen los? Denken sie positiv"
"Okay. Ich habe positiv Null-Sicht"
"Junge, Junge, sie sind aber ganz schön undankbar" - spottet er - "nachdem ich so viel für sie getan habe"

Wie gross ist die Chance dass Sie den Augenarzt noch einmal konsultieren würden?
Vermutlich eher klein. Sie haben nicht viel Vetrauen in jemanden, der keine "Diagnose" stellt, bevor er was verschreibt.

Aber wie oft tun wir in der Kommunikation genau das?

Wir haben eine starke Tendenz, dazwischenzufunken, die Dinge mit guten Ratschlägen zurechtzurücken. Aber wir versäumen oft, uns Zeit für ein wirkliches Verstehen des Problems zu nehmen.
Der Schlüssel zu effektiver zwischenmenschlicher Kommunikation heisst:
"Erst verstehen, dann verstanden werden"

"Erst verstehen" schließt einen tiefen Paradigmenwechsel ein. Meist wollen wir erst einmal verstanden werden. Viele Menschen haben beim Zuhören nicht die Absicht zu verstehen, sondern zu antworten.
Sie sprechen, oder Sie bereiten sich darauf vor zu sprechen.
Sie filtern alles durch ihre eigenen Paradigmen, lesen Ihre eigene Autobiographie im Leben anderer.

Mitfühlendes Zuhören:

Zuhören mit der Absicht zu verstehen.
Wirklich verstehen zu wollen.
Mitfühlendes Zuhören trägt Einen in den Bezugsrahmen des Anderen. Aus dem können Sie herausschauen, die Welt so sehen, wie sie der andere sieht, sein Paradigma und seine Gefühle verstehen.
Mitgefühl ist kein Mitleid.
Mitleid ist eine Form von Vereinbarung, eine Form von Beurteilung.
Die Essenz von mitfühlendem Zuhören ist nicht, dass Sie jemandem zustimmen, sondern dass Sie diesen Menschen vollkommen verstehen, emotional wie intellektuell. Mitfühlendes Zuhören schließt viel mehr ein, als nur die Worte zu registrieren, zu reflektieren und sogar zu verstehen.

Da meiste Menschen autobiographisch zuhören, neigen wir dazu, in einer von vier Arten zu antworten:

Wir werten - wir stimmen entweder zu oder sind anderer Ansicht
Wir sondieren - wir stellen aus unserem eigenen Bezugsrahmen heraus Fragen
Wir beraten - wir geben Rat, der auf unserer eigenen Erfahrung beruht
Wir interpretieren - wir versuchen, aus Leuten schlau zu werden, und Ihre Motive und ihr Verhalten aus unserem eigenen zu erklären

Wer zuerst urteilt, wird nie ganz verstehen!
Erst zu verstehen versuchen ist ein korrektes Prinzip, das sich in allen Lebensbereichen ganz offensichtlich zeigt. Es ist ein allgemeines Prinzip, aber es gilt am stärksten auf dem Gebiet der zwischenmenschlichen Beziehungen.

Jeder Mensch ist unterschiedlich und jeder Mensch möchte verstanden werden.

Inspiriert durch Stephen R. Covey


 

Suche nie, das Wesen eines Menschen danach zu beurteilen,was in Erscheinung tritt.
Halte nie eines seiner Worte oder einer seiner Handlungen für ein Zeichen seiner Gesinnung.
Es könnte sein, daß derjenige, den du nicht verstehst,Mühe hat, sich auszudrücken oder verständlich zu machen.

Khalil Gibran